Notlösung: Neuen Job annehmen trotz Bedenken

Klarheit
Neuen Job annehmen trotz Bedenken

Nicht wenige Top-Führungskräfte nehmen irgendwann in ihrer Karriere einen „Notnagel-Job“ an. Das heißt: Einen Job, den sie eigentlich gar nicht wollen. Eine Notlösung, in die sie äußere Umstände oder innerer Druck führen. Und geraten damit allzu oft in eine Spirale aus Unsicherheit, innerem Druck und Panik. Uwe, einem meiner Klienten, erging es genauso. In diesem Artikel lesen Sie,

Eine Notsituation: Wie alles begann

In diesem Artikel beleuchte ich ein Phänomen, das recht häufig vorkommt, aber über das wenig gesprochen wird. Es geht um den Job als Notlösung, bzw. den „Notnagel-Job“. Ich berichte Ihnen von einer typischen Situation:

Vor kurzem hatte ich einen neuen Klienten: Uwe, der neue CIO eines größeren Mittelständlers. Er hatte nach über einem Jahr Suche endlich wieder eine neue Position gefunden und sollte nun in ein paar Monaten in der neuen Rolle im Top-Management starten. Er kam zu mir in die SparringsPartnerschaft mit dem Wunsch seinen Einstieg souverän zu meistern.

Ich schaute ihn etwas verwundert an, als ich in sein Gesicht blickte: Als er mich vor einem halben Jahr kontaktiert hatte, strotze er noch vor Selbstbewusstsein, jetzt wirkte er eher unsicher. Was war passiert?

Ich habe den aktuellen Job als Notlösung angenommen. Man muss ja in der aktuellen Lage nehmen, was man kriegen kann. Tja, wie gehe ich damit jetzt um? Ich stehe total unter Strom und will alles richtig machen!“, stöhnt Uwe.

Er schildert mir seine Sichtweise: „Wissen Sie, Corona hat mir einen echten Strich durch die Rechnung gemacht. Ich war gut im Rennen, hatte auch mehrere Eisen im Feuer, mit dem Lockdown wurden die Unternehmen unsicher, die Headhunter zogen ihre Angebote zurück.
In der Konsequenz habe ich gerudert wie ein Wilder. In der aktuellen Situation bin ich froh jetzt überhaupt etwas gefunden zu haben.
Klar von meinem hohen Gehalt von vor einem Jahr habe ich mich verabschiedet, das ist heute nicht mehr drin.
Mein neues Unternehmen ist ein mittelgroßer Mittelständler. Das Thema kann ich aus dem Effeff.“

Abschließend fasste er seine Ausführungen mit folgenden Worten zusammen:

„Na ja, im Moment muss man nehmen, was man kriegen kann.“

Das ist es: Die Notlösung bzw. der Notnagel-Job! Job annehmen oder nicht? Diese Frage stellte sich mein Klient überhaupt nicht. Für ihn war klar: Er MUSS diesen Job annehmen.

Coaching-Ziel: Vorbereitung auf die neue Rolle

Ich traute meinen Ohren nicht: Ein ehemals gestandener C-Level saß zusammengesackt vor mir – Stolz, Souveränität, Ausstrahlung, das, was ich aus dem Kontakt von vor ca. einem halben Jahr noch von ihm kannte – Fehlanzeige. Und alles nur, weil er einen neuen Job annahm, den er so eigentlich gar nicht wollte.

Sein Ziel für den heutigen Termin war: Er wollte sich auf die neue Rolle vorbereiten, quasi die ersten Schritte für den Start in der neuen Position konkretisieren:

Daher fragte ich ihn:

Mein Klient schaute mich mit großen Augen an und stammelte:

Hm, ich weiß es nicht. Meinen Chef – der CEO – der sitzt in den USA – den habe ich nur einmal per Videokonferenz gesehen. Mit den anderen habe ich auch nur virtuelle Konferenzen gehabt. Es gibt an mehreren Orten Niederlassungen. Ich weiß nicht mal, wo mein Hauptsitz ist, bzw. wo mein Arbeitsplatz ist. Ich habe erfahren, dass die noch einen anderen C-Level eingestellt haben. Ich weiß nicht mal, ob das mein Mitarbeiter oder mein Kollege ist, die Organisationstruktur ist mir nicht ganz klar.“

Ich wurde innerlich immer unruhiger.

Ich hatte nur noch Fragezeichen.

Der konkrete Schritt-für-Schritt-Plan

Ich überlegte, wie ich jetzt am besten vorgehen könnte.
Mir erschien es so, dass wir jetzt erst einmal eine Basis brauchten:

  1. Mein Ziel war es meinen Klienten zu stabilisieren, denn in dieser Verfassung würde er die ersten 2 Wochen im neuen Unternehmen wohl nicht überleben, so meine Vermutung.
  2. Ich wollte verstehen, was hier scheinbar schief gegangen war – im Vorfeld oder auch im Auswahlprozess.
  3. Ich wollte meinen Klienten auf einen guten nächsten Schritt vorbereiten.

Also fangen wir mal an.

Die konkrete Anwendung und Umsetzung

Ich überlegte, wie wir jetzt konkret starten und stelle ihm dann folgende Frage:

Ich stoppte, weil ich das Gefühl hatte, diese Fragen haben ziemlich ins Mark getroffen.

Neuen Job annehmen trotz Bedenken: emotionale Achterbahnfahrt

Mein Klient begann mit seiner Erzählung. Und wie sich schnell herausstellte, startete der (im Kern eigentlich falsche Gedanke) „Ich muss jeden neuen Job annehmen – trotz Bedenken“ eine unglückliche Verkettung an Gedanken, Ereignissen und Emotionen, die ihn all seiner Souveränität beraubte.

1. Aus Souveränität wird Unsicherheit

Ja, Sie haben Recht, während der Bewerbungsprozess – wie ich bereits formulierte – am Anfang recht gut anlief, änderte sich schlagartig alles. Während ich zu Beginn noch der Meinung war: Es muss eine Verbesserung sein. Es muss mehr Gehalt sein und ein Level höher – also so nach dem Motto: höher, schneller, weiter – wandelt sich das schlagartig in: Ich muss etwas finden, egal was.

Ich fühlte mich wie ein Arbeitsloser, der jedem Strohhalm hinterherrennt.

Ich habe mich in jedem Vorstellungsgespräch nach außen ziemlich aufgeplustert – ich wollte ja einen guten Eindruck machen – ich wollte überzeugen.
Im Innern fühlte ich mich unsicher und als Blender.

Egal, was ich machte, hatte ich immer nur ein Ziel vor Augen: ICH MUSS EINEN JOB FINDEN!“

Befinden Sie sich denn in einem finanziellen Engpass? Oder wie kommt es zu diesem Druck? Unterbrach ich ihn.

„Nein, meine Familie und ich haben genügend Rücklagen, es gibt keine finanzielle Not. Auch habe ich ja eine gute Abfindung erhalten und mein Vertrag läuft „offiziell“ noch 1 Jahr. Es waren nicht die ÄUSSEREN Umstände.
Es war schlicht und ergreifend meine innere Panik. Diese Unsicherheit, dieses Nichtwissen, das bringt mich einfach um.

Morgens stand ich auf, schaute neidisch auf die Verkäuferin an der Kasse im Lebensmittelladen und dachte: DIE hat wenigstens einen Job, ich weiß noch nicht mal, was ich will.“

2.) Unsicherheit und fehlende Struktur führen zu innerem Druck

Dann kam ich überhaupt nicht mit dem neuen Rhythmus klar. Früher wusste ich: Aufstehen, mich für die Arbeit fertig machen, ins Auto und ab ins Business, irgendwann so gegen 18 bis 20 Uhr gings dann wieder zurück.
Am Wochenende habe ich mich im Schwerpunkt um meine Familie gekümmert. Da habe ich mich zwar auch immer wieder über irgendwas beschwert, aber das war doch echt Jammern auf hohem Niveau.

Frau Happich: diese Unsicherheit, dieses Nichtwissen und die fehlende Struktur habe ich einfach nicht ausgehalten. Es hat mich schlicht umgehauen. Mich – ein gestandener C-level.

Mein Umfeld kam dann noch mit liebgemeinten Sprüchen, die mir den Rest gegeben haben: ‚Na, Du hast es ja gut – bekommst Geld fürs Nichtstun (die spielten auf die Abfindung an) – mach mal Urlaub, entspann Dich mal.‘ Das war zwar gut gemeint, aber hat mir die Schuhe ausgezogen.
Dann hatte ich ein schlechtes Gewissen meiner Familie gegenüber. Nein, sie hat mich nicht unter Druck gesetzt, die waren alle sehr verständnisvoll.

3.) Aus innerem Druck wird Aktivismus

ICH war das Problem – ICH habe diesen inneren Druck einfach nicht mehr ausgehalten. Nach außen hin mimte ich immer noch den Souveränen, der mit seinen Problemen allein fertig wird.

Ich bin dann echt in die AKTIVITÄT geflüchtet.
Leisten, machen, tun, hauptsache produktiv sein und nicht nachdenken.

Ich habe dann wie ein Wilder nach allen möglichen und unmöglichen „Opportunitäten“ geschaut. War innerlich aufgewühlt und habe – aus meiner Sicht ALLES GETAN, um möglichst rasch wieder einen Job zu bekommen. Hauptsache wieder IM Spiel sein und nicht mehr am Spielrand stehen.

Diese Phase war die Hölle. Es wurde von Woche zu Woche schlimmer. Ich war gereizt, genervt, stand unter Strom. Dieser innere Druck, den habe ich echt unterschätzt. Erst als ich die Zusage erhalten habe, wurde ich für einen Moment ruhiger.

4.) Auf den Erfolg folgt Panik: Wie überzeuge ich in einem Notnagel-Job?

Doch schon kurz nachdem Uwe einen neuen Job gefunden hatte, setzte die innerliche Unruhe wieder ein. Was wenn er letztlich unzufrieden im Job ist, aber keine Alternative hat? Oder was, wenn es ihm nicht gelingt, zu überzeugen, seine vollmundigen Versprechen einzulösen? Bei einem Notnagel-Job, den man nicht aus innerer Überzeugung angenommen hat, berechtigte Bedenken. Uwe formulierte es so:

Wie schaffe ich es im Job zu überzeugen, meine Versprechen einzulösen und kein Blender zu sein? ICH MUSS MICH DA BEWEISEN. ICH muss den Job behalten! Ob das der passende Job für mich ist – diese Frage werde ich mir wohl erst in ein paar Wochen oder Monaten stellen. Im Moment denke ich nur: Ich muss das schaffen.

Während ich Uwe zuhöre, werde ich selbst ganz angespannt. Der innere Druck überträgt sich auf mich. Ich bin sehr dankbar, dass Uwe so offen und ehrlich ist. Damit können wir gut arbeiten.

Ich ändere meinen Plan. Es sollte heute darum gehen: Der Druck muss raus.

Priorität Nummer 1: Den inneren Druck bändigen!

Diese innere Spannung hält Uwe ja gar nicht weiter aus. Er hat alles mit sich allein ausgemacht, versuchte nach außen zu funktionieren.

Dieses Anspannungsfass ist so gefüllt, dass es kurz davor ist zu platzen.

Wie schnell passiert es dann, dass „man“ in einem ungünstigen Moment auch im neuen Job platzt? Das wäre die nächste Katastrophe.

Im nächsten Schritt widme ich mich daher ganz Uwe. Ich stelle ihm wenige Fragen zu seinen Gedanken, wie er mit den Anspannungen umgegangen ist, zu seinem körperlichen Empfinden, wo spürt er die Nervosität, die Anspannung, etc.

Sanft führe ich ihn von der Anspannung weg. Egal, was er formuliert, ich hinterfrage es, versuche die Zusammenhänge zu verstehen, ihn zu unterstützen. Der Schwerpunkt liegt allerdings darin, dass Uwe endlich den Raum bekommt, den er sich die letzten Monate nicht gegönnt hat.
Uwe redet und redet und redet. Nach ca. 1 Stunde wird er ruhiger.

DAS habe ich gebraucht“, formuliert er erleichtert.

Ich habe diesen massiven Druck unterschätzt. Ich bin in die Aktivität geflüchtet. Bin vor meinem Inneren abgehauen. JETZT merke ich erst, wie groß der Druck war. Mir wird auch gerade klar, dass es JETZT – also heute in unserem Termin – nicht darum geht, den konkreten nächsten Schritt im neuen Job zu planen, das können wir gerne beim nächsten Mal machen.

Erst mal Dampf ablassen, danach weiterplanen

Es ist viiiiiel wichtiger den Dampf abzulassen.

Mir selbst einzugestehen, wie sehr ich mich unter Druck und Stress gesetzt habe.
Nein, nicht mir dafür Vorwürfe zu machen, sondern es zu benennen, und es stehen zu lassen, ohne zu bewerten.

Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich habe vorher alles immer sofort bewertet oder rational betrachtet. Mein Innenleben, also meine Gefühle – die haben mich einfach gestört und ich dachte, sie haben mich auch auf meiner Stellensuche behindert. Aber das stimmt gar nicht.

Da ich den ganzen inneren Teil quasi abgespalten habe, ist dieser Bereich wie in einem Luftballon angesammelt worden. Und der Luftballon wurde immer voller und voller und drohte zu platzen.
Auch das führte dazu, dass ich in den Vorstellungsgesprächen nicht mehr nachgefragt habe, ich habe mich nicht mehr gefragt, ob ich den Job will, ich habe stattdessen nur noch ein Ziel verfolgt:
DIE ZUSAGE, so schnell wie möglich, egal wo. Eben als Notlösung der Notnagel-Job.

Anspannung macht einen nicht zum Verlierer

Es ist echt das erste Mal für mich, dass ich am eigenen Leib erlebe, wie wichtig es ist. über diesen Druck zu sprechen, das Innenleben – mein Innenleben – ernst zu nehmen.

Sie geben mir auch gerade das Gefühl, dass ich mit diesem Chaos gar kein Loser bin, sondern dass das komplett normal ist. Ich habe ja eigentlich gedacht, dass man da als C-Level – wo ich doch echt schon ganz andere Situationen gemeistert habe – drüber steht. Aber es ist doch echt ein Unterschied, ob ich über Millionen-Projekte spreche, die gehändelt werden müssen, oder ob es um mich geht. Das hatte ich unterschätzt. Diese eigene Betroffenheit, es geht um MEINEN JOB und das ist was komplett anderes.

Mensch, wenn ich das doch schon früher gewusst und beherzigt hätte …

Er schaut zu Boden, ist ein wenig betrübt.

„Was dann?“, frage ich Ihn ganz neugierig:

Hm, ich glaube, ich wäre deutlich länger gelassener geblieben. Vielleicht hätte ich so einen Notnagel-Job gar nicht angenommen, weil ich besser mit dieser Unsicherheit und dem inneren Druck hätte umgehen können.
Ich hatte ja geglaubt, die Lösung oder der Ausweg ist möglichst schnell ein neuer Job, egal welcher. Ich nahm an, der würde mir Sicherheit geben. Aber das stimmt ja gar nicht.

Denn wie gesagt: Es geht um den Umgang mit dem Innenleben. Und wie ich auch schon formuliert habe, ist ja viel „Dampf“ durch mein eigenes Dazutun gekommen, nicht aus der äußeren Not heraus.

Mit innerem Druck umgehen: Das nimmt Uwe mit

Uwe, richtet sich auf und wird ganz konkret:

Was ich jetzt schon für mich mitnehme:

  1. Wenn ich anfange angespannt oder unruhig zu werden, dann sage ich mir erst einmal STOP. Sprich ich nehme das wahr und ernst, statt es mit Aktivität zu übertünchen.
  2. Ich weiß jetzt, dass das ganz normal ist und nicht ein Zeichen von Schwäche bedeutet. Das entlastet mich sehr.
  3. Ich suche mir jemanden, mit dem ich darüber reden kann, und wenn ich niemanden finde, dann schreibe ich es auf. Sie haben vorhin ja gesagt, dass es wichtig ist die „EBENE“ zu wechseln, also von DENKEN zu REDEN oder SCHREIBEN.

Was mir gerade bewusst wird, was ich da gerade gesagt habe, hat erst einmal gar nichts mit der Notlösung, dem Notnagel-Job zu tun.
Eigentlich sind das Tipps, die ich bei jeder emotional wichtigen Situation anwenden kann. Aber es ist eben das erste Mal in meinem beruflichen Leben, dass mich der nächste Karriereschritt
 emotional so aus der Bahn geworfen hat, dass ich tatsächlich einen Notnagel-Job angenommen habe.

Uwe wirkt entspannt, souverän und stabil. Ich freue mich für ihn, weil das Ziel für den heutigen Termin erreicht ist: Erst mal wieder stabilisieren. Der innere Druck ist weg und weicht einer zunehmenden Gelassenheit. Und: Uwe gewinnt gerade an Ausstrahlung und ist wieder handlungsfähiger.

Ich denke so vor mich hin, wie schnell manche Entwicklungen gelingen können, wenn man am „richtigen“ Punkt ansetzt.

5 Schlüsselerkenntnisse zum Notnagel-Job

Uwe fährt weiter fort, er wirkt sichtlich aufgekratzt, engagiert, wach – ganz anders als noch zu Beginn unseres Termins.

Wenn ich das aber mal auf die Notlösung, also diesen „Notnagel-Job“ beziehe, dann kann ich sagen:

  1. Worauf ich bei der Stellensuche unbedingt verzichten sollte: Die Anstrengung – hoffentlich bekomme ich den Job
    Warum?
    Mit dieser Einstellung fange ich an mich zu verbiegen. Ich höre nicht mehr genau hin, was gesagt wird. Ich vergesse wesentliche Fragen zu stellen – außerdem bewege ich mich nicht mehr auf Augenhöhe.
    Immerhin bewerbe ich mich hier um einen C-Level-Posten, da ist Souveränität und Ausstrahlung angesagt, das habe ich aber nicht, wenn ich darum „kämpfe“ die Stelle zu bekommen.
  2. Nun habe ich tatsächlich den neuen Job bekommen. Sie nennen es Notnagel-Job. Der Begriff gefällt mir.
    Ich habe begriffen, dass es sein kann, dass diese Notlösung, also der aktuelle Job nicht passt, weil ich auf die wesentlichen Dinge gar nicht geschaut habe. Ich habe Abstriche bei der Aufgabe, bei dem Gehalt, bei der Unternehmensgröße, und -kultur gemacht. Wahrscheinlich sind das Kompromisse an der falschen Stelle.
    “ Einen neuen Job annehmen trotz Bedenken? Das ist für Uwe keine Option mehr.
  3. Ein Notnagel-Job ist eine schlechte Lösung.
  4. Das ist blöd und ich vermute, ich suche bald wieder neu. Entweder, weil ich nicht mehr möchte, oder aber mein Arbeitgeber ist von mir enttäuscht.
    Aber jetzt weiß ich, dass ich mich nicht grämen muss, wenn die Kündigung vom Unternehmen kommt. Denn ich habe im Vorfeld überhaupt nicht richtig hingeguckt, ob es passen könnte – also an den wesentlichen Stellen.
    Falls es passiert, bin ich also nicht so überrascht.
  5. Ach und noch ein fünfter Punkt:
    Was mir noch mal klar geworden ist: Bloß nicht aus innerem Druck handeln um einen „Notnagel-Job“ zu bekommen.
    Das gilt vielleicht wenn sich ein Mitarbeiter bewirbt, aber auf Geschäftsführer
    und C-Level-Ebene bringt mich das schnell in eine unterwürfige Position, oder noch schlimmer– ich laufe Gefahr mich wie ein Gockel als Besserwisser darzustellen. Beides einfach grauenvoll für mein Verständnis von Führungsarbeit.

Tja, das sind eine Menge Punkte, ich bin JETZT auf jeden Fall schon mal deutlich entspannter und ruhiger. Und in unserem nächsten Termin sprechen wir dann darüber, wie ich den Einstieg in einen Notnagel-Job meistern kann, ok?

Wir notieren den nächsten Termin, verabschieden uns und Uwe grinst vergnügt und frohgelaunt, als er aus der Tür verschwindet.

Der praktische Tipp: Wie Sie eine Notlösung verhindern

Kennen Sie das auch, dass Sie – trotz besseren Wissens – dabei sind voller Panik den nächsten Job zu suchen und Gefahr laufen als Notlösung einen Notnagel-Job – also einen Job, den Sie eigentlich gar nicht wollen – anzunehmen?

Dann können Sie folgendes tun:

  1. Erkennen Sie Ihren inneren Druck– nehmen Sie ihn wahr und ernst.
  2. Hinterfragen Sie, ob dieser Druck realistisch ist– sprich fragen Sie sich:
    WIE lange reichen die Finanzen (gerne auch bei eingeschränktem Lebensstandard)?
    WANN spätestens brauche ich den nächsten Job?
    Häufig ist es so, dass Sie mit Ihrer Abfindung oder anderen Rücklagen eine Weile „aushalten“ können. Der innere Druck ist meistens größer als der äußere Druck
  3. Planen Sie realistisch. Machen Sie sich bewusst, dass Sie für eine Herausforderung auf C-Level durchaus 6 – 24 Monate einkalkulieren können. Nehmen wir mal im Durchschnitt 12 Monate. Reichen Ihre Rücklagen?
  4. Suchen Sie Struktur. Das heißt: Bauen Sie sich einen strukturierten Tag. Ihr aktueller Job ist jetzt: Ich suche eine neue berufliche Herausforderung. Dafür dürfen Sie gerne 4 Stunden/Tag investieren. So haben Sie einen teilstrukturierten Tag und haben trotzdem noch Zeit für Dinge, die Ihnen schon lange am Herzen lagen.

Fazit:

Erinnern Sie sich noch an den Anfang, als Uwe total unsicher formulierte: „Wie schaffe ich es im neuen Job zu überzeugen?

Jetzt weiß er, dass er erst einmal den inneren Druck loswerden muss, bevor er den souveränen Einstieg in einem Notnagel Job meistern kann.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Uwe der Jobeinstieg – trotz Notnagel Job – souverän gelingt.

Sie hören lieber?

Hier geht es zur passenden Folge in meinem Podcast „Leben an der Spitze“:

Notlösung: Haben Sie einen Job angenommen, den Sie nicht wollen? I KARRIERE MACHEN #35

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

PS: Einen neuen Job annehmen, trotz Bedenken? Das ist selten eine gute Idee. Trotzdem haben Sie einen solchen „Notnagel-Job“ angenommen – und wissen absolut nicht, wie Ihnen der Einstieg gelingen soll? Dann kontaktieren Sie mich unter info@galileo-institut.de. Gemeinsam, erarbeiten wir eine Strategie für das weitere Vorgehen.

Bild: Jadon Bester/peopleimages.com / istockphoto.com

Schlagwörter: Job annehmen den man nicht willJobangebot annehmen oder nichtNotlösungNotlösung JobNotnagel-JobUnzufrieden im Job aber keine Alternative

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