Arbeit 4.0: Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

Moderne FührungTransformation
Arbeit 4.0 - Zukunft der Arbeit

Wie arbeiten wir in der Zukunft? Welche Werte werden in der Arbeitswelt dominieren? Für mich sind die Antworten auf Fragen wie diese extrem spannend und hoch relevant. Ebenso natürlich für alle Top-Führungskräfte, vom C-Level über das Vorstandsmitglied bis zum Vorstandsvorsitzenden. In diesem Beitrag möchte ich daher, gestützt durch verschiedene Studien und eine eigene Umfrage, einen Blick auf die Zukunft der Arbeit werfen. Konkret lesen Sie,

Wie wird die Arbeit in der Zukunft aussehen?

Wir befinden uns mittendrin im größten Wandel der Arbeitswelt seit der Industrialisierung. Wie dieser Prozess enden wird, darüber sind sich die Experten allerdings keineswegs einig. Zu der Frage, wie wir 2030 arbeiten, habe ich eine spannende Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und der Stiftung Neue Verantwortung gefunden.

Wie wird die Arbeit in der Zukunft aussehen? 6 Szenarien für Deutschlands Arbeitsmarkt

Die Studie entwirft 6 mögliche Szenarien für die Arbeitswelt der Zukunft in Deutschland. Obwohl sie bereits 2016 durchgeführt worden ist, sind viele Szenarien auch aus heutiger Sicht brandaktuell:

  1. Arbeit 4.0: Deutschland als IT-Ingenieursnation
    Maschinenbauer und Automobilhersteller haben die digitale Transformation bewältigt und sorgen für Wachstum. Der Sozialstaat gleicht soziale Härten durch die Verknappung von Arbeit mit einem bedingungslosen Grundeinkommen aus.
  2. Erfolgreicher Datenstandort, soziale Konflikte
    Angeführt von der Banken- und Versicherungswirtschaft sorgt die Verwertung von Daten im Dienstleistungssektor für wirtschaftliches Wachstum. Es werden nur wenige hochqualifizierte Spezialisten benötigt. Die sozialen Sicherungssysteme werden durch fehlende Arbeitsplätze für Geringqualifizierte und der zunehmenden Frühverrentung der Babyboomer stark belastet.
  3. Liberalisierter Arbeitsmarkt
    Deutschland verfügt über eine hochmoderne digitale Infrastruktur. Die intensive Vernetzung in Beruf und Alltag wird als eine Chance gesehen, die mehr Freiheit und Freizeit bringt. Die Arbeitswelt ist über Projekte und Plattformen organisiert. Überall sind neue Geschäftsmodelle entstanden. Der Arbeitsmarkt ist weitgehend liberalisiert, die Wirtschaft wettbewerbsfähig. Es existiert nur noch ein Mindestmaß an sozialer Sicherung.
  4. Digitale Hochburgen
    Deutschland ist geteilt – in wirtschaftlich leistungsfähige Metropolregionen und ländliche Räume mit nur wenigen Arbeitsplätzen und einer kaum ausgebauten digitalen Infrastruktur. Der Wohnort ist entscheidend für die beruflichen Chancen. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer.
  5. Digitale Evolution im föderalen Wettbewerb
    Die Bundesländer konkurrieren um mobile, hochqualifizierte Freiberufler. Einzelne Bundesländer sind abgehängt und bieten deutlich schlechtere Lebensbedingungen. Dagegen ziehen die digitalen Vorreiter ausländische Investitionen an und verfügen über anpassungsfähige Bildungssysteme. Das starke Gefälle zwischen den Regionen führt zu einer sinkenden Solidarität und macht Einigungen auf Bundesebene immer schwieriger.
  6. Digitales Scheitern
    Deutschland wird sowohl auf dem Gebiet der Digitalisierung als auch im Fahrzeug- und Maschinenbau von der internationalen Konkurrenz verdrängt. Die alternde Gesellschaft ist technologieskeptisch, jungen Zuwanderern fehlen die Qualifikationen. Es herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit und ein niedriges Lohnniveau.

Sie merken: Wie die Zukunft der Arbeit in Deutschland aussieht – und wie sich Deutschland im internationalen Vergleich schlägt – steht und fällt mit der Bewältigung der digitalen Transformation. Auch heute haben hier viele Branchen und Unternehmen noch Nachholbedarf. Das beinhaltet natürlich auch den Umgang und Einsatz von künstlicher Intelligenz, dem aktuellen Hype-Thema schlechthin, gerade was die Verarbeitung von Big Data betrifft.

Arbeiten 4.0: Werte in der Arbeit der Zukunft

Besonders spannend ist für mich nicht nur, wie der Arbeitsmarkt in 20 Jahren aussieht, sondern welche Werte die Arbeit der Zukunft prägen. Eine mögliche Antwort auf die Frage liefert die Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“ des „Forums Gute Führung“ in Kooperation mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Dabei wurden Erwerbstätige in quantitativ-qualitativen Tiefeninterviews gefragt, wie sie die heutige Arbeitswelt erleben und welche Arbeitswelt sie sich für die Zukunft wünschen. Das vielleicht wichtigste Ergebnis: Ein „Wir“ scheint es nicht mehr zu geben und damit auch kein halbwegs einheitliches Idealbild von Arbeit. Was für den einen wünschenswert ist, empfindet der andere als höchst bedrohlich – und zwar unabhängig von Kategorien wie Einkommen oder Ausbildung.

7 Wertewelten prägen die Arbeit in der Zukunft

In der Studie wurden 7 Wertewelten identifiziert, die sich ganz grundlegend unterscheiden.

  1. Sorgenfrei von der Arbeit leben können
    Die Menschen dieser Wertewelt wollen ohne materielle Sorgen leben. Arbeit und Privates sollen trenn- und planbar bleiben, der Staat hat für sie eine wichtige Rolle als sozialer Absicherer.
  2. In einer starken Solidargemeinschaft arbeiten
    Loyalität, Wertschätzung und Teilhabe sind diesen Erwerbstätigen besonders wichtig.­­­ Schwächere sollen durch Unternehmen, Staat, ­Gemeinschaft abgesichert werden. Die aktuelle Entwicklung halten sie für besorgniserregend.
  3. Den Wohlstand hart erarbeiten
    Wer hart arbeitet, bringt es zu was – das glauben die Menschen dieser Wertewelt und sie strengen sich auch entsprechend an. Für sie ist vor allem wichtig, dass Deutschland wirtschaftlich stark bleibt.
  4. Engagiert Höchstleistung erzielen
    Verantwortung, Effizienz und Leistungsstreben stehen für diese Umfrageteilnehmer im Mittelpunkt. Die Digitalisierung empfinden sie als Chance. Lebenslanges Lernen und Eigenverantwortung sind Schlüsselworte.
  5. Sich in der Arbeit selbst verwirklichen
    Individualität und Selbstverwirklichung gepaart mit Leistung und Effizienz sind für diese Menschen besonders wichtig. Von Unternehmen erwarten sie, dass sie dafür Rahmenbedingungen schaffen, etwa durch Flexibilität von Ort und Zeit.
  6. Balance zwischen Arbeit und Leben finden
    Auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, individueller Selbstverwirklichung und gesellschaftlicher Mitgestaltung legen diese Erwerbstätigen den größten Wert. Jeder Einzelne sollte die Wirtschafts- und Arbeitswelt mitgestalten.
  7. Sinn außerhalb seiner Arbeit suchen
    Für diese Gruppe steht der Gemeinnutz im Mittelpunkt. Eine sinnstiftende Tätigkeit wird häufig außerhalb der Erwerbsarbeit gesucht. Der Staat soll ein bedingungsloses Grundeinkommen garantieren.

Sie sehen schon, wie stark die Werte hier zum Teil auseinanderdriften. Während etwa die einen die zunehmende Individualisierung der Arbeitswelt als Chance sehen, vermissen die anderen Werte wie Solidarität in einer Gemeinschaft. Beides ist nachvollziehbar. Bei der ganzen Studie geht es auch nicht um eine Wertung dieser Wertewelten. Es gibt kein besser oder schlechter. Die Ergebnisse sind einfach sehr, sehr spannend. Und Unternehmen wären sicher gut beraten, diese Pluralität in ihrer gesamten Ausrichtung stärker zu berücksichtigen.

Umfrage: Die Arbeitstypen der Zukunft

Die Werte- und Arbeitswelt der Zukunft wird sich verändern, so viel steht fest. Gestaltet wird die Zukunft der Arbeit von verschiedensten Arbeitstypen. Zumindest, Harry Gatterer und Thomas Huber vom Zukunftsinstitut, Kelkheim/Taunus, identifizieren in ihrer Studie „Work:design“ 11 Arbeitstypen, die die Zukunft prägen dürften.

Inspiriert von diesen 11 Arbeitstypen habe ich eine eigene Umfrage unter meinen Leistungsträgern gestartet. Ich wollte wissen, mit welchem Typ sich die Teilnehmer identifizieren. Mehrfachnennungen waren dabei möglich. Die Ergebnisse fasse ich hier nochmal für Sie zusammen:

  1. Knowledge Worker (Wissensarbeiter) – 60,6 %
  2. Corporate High Flyers (klassische Karrieristen) – 10,6 %
  3. Intermediäre (gute Seelen) – 31,4 %
  4. Kreative Downshifter (Teilzeit-Selbstverwirklicher) – 25,8 %
  5. Loyale Störer (gemäßigte Revoluzzer) – 0,0 %
  6. Job Hopper (fluchtbereite Individualisten) – 10,6 %
  7. Working Middle (pflichtbewusster Durchschnitt) – 10,6 %
  8. Passivsten (Status-quo-Verteidiger) – 0,0 %
  9. Neue Spezialisten (hochspezialisierte Experten) – 9,1 %
  10. Prekaristen (Randständige) – 3,0 %
  11. Digital Bohème (Netzwerk-Avantgardisten) – 16,7 %

Die Details meiner Umfrageergebnisse zu den Arbeitstypen der Zukunft und die möglichen Schlussfolgerungen für Unternehmen lesen Sie hier.

Ausblick: Wie sieht die Zukunft der Führung aus?

Wir dürfen gespannt sein, wie die Arbeits- und Wertewelt der Zukunft aussehen wird. Für C-Level, Vorstandsmitglieder, Top-Manager und Führungskräfte aller Art schließt sich an das Thema „Zukunft der Arbeit“ die Frage nach der Zukunft der Führung an. Welche Themen treibt die Generation Z um? Was fordern die Arbeitnehmer der Zukunft? Welche Führungsstile und Führungsmodelle werden in der Zukunft gefragt sein? Und was bedeutet gute Unternehmensführung in der Zukunft? Auch auf diese Fragen versuche ich im Blog eine Antwort zu finden.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

PS: Sie möchten dem Umbruch der Arbeitswelt mit einem modernen, zukunftsträchtigen Führungsstil begegnen? Gute Idee! Kontaktieren Sie mich unter info@galileo-institut.de! Gemeinsam entwickeln wir ein für Sie passendes Vorgehen, ohne dass Sie sich dabei verbiegen müssten.

Bildquelle: fauxels / Pexels

Schlagwörter: arbeit 4.0Arbeiten 4.0.Arbeitstypen der Zukunftdigitale transformationdigitaler wandelführung im digitalen zeitalterzukunft der arbeit

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