Angst gekündigt zu werden? So kommen Sie aus der Angst-Spirale

KlarheitLeistungserhalt
Angst vor Kündigung

Sie glauben, dass Sie einfach nicht gut genug sind. Dass Sie Ihre Position zu Unrecht bekommen haben. Und egal, wie hart Sie arbeiten, wie viel Sie in Ihrem Job auch leisten: Sie haben das Gefühl, dass Sie im Kern doch nur ein Hochstapler sind. Nahezu ständig flüstert Ihnen Ihre innere Stimme ins Ohr:

Bald wirst du gefeuert!

Kommt Ihnen bekannt vor? Ich kann Sie beruhigen: Die Angst, gekündigt zu werden, kennen viele Top-Manager. Vor allem die wirklich guten. In meinem Führungskräfte-Coaching arbeite ich immer wieder mit Klienten, die ständig Angst vor einer Kündigung haben. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie am besten mit dieser Unsicherheit umgehen können. Wie immer mit realen Fallbeispielen aus meiner Coaching-Praxis.

Inhaltsverzeichnis

  1. Oft sind es die Besten, die am unsichersten sind
  2. Stellen Sie Ihre Angst und Unsicherheit auf den Prüfstand
  3. Angst vor der Kündigung überwinden – in 4 Schritten
    3.1. Akzeptieren Sie Ihre Angst
    3.2. Spielen Sie Ihre Kündigung gedanklich durch
    3.3. Gehen sie zum Angriff über
    3.4. Sprechen Sie mit Vertrauten und Verbündeten
  4. Fallbeispiel: Anpassen ja, verbiegen nein

Oft sind es die Besten, die am unsichersten sind

Man sollte meinen, Selbstzweifel betreffen vor allem Top-Manager, die fachlich für Ihr Unternehmen nicht viel zu bieten haben. Die Angeber und Blender also, die sich aufplustern und Andere mit ihrem schillernden Pfauenrad über ihre eigentliche Inkompetenz hinwegtäuschen wollen. Das Gegenteil ist der Fall. Aus mittlerweile 30 Jahren Coaching-Erfahrung weiß ich: Letztere leiden erstaunlich selten unter (bewussten) Ängsten und Unsicherheiten.

Stattdessen sind es immer wieder besonders die Könner und Leistungsträger, die Ihre Leistungen kritisch hinterfragen. Diejenigen also, die wirklich etwas auf dem Kasten haben – und die sehr oft das Rückgrat Ihres Unternehmens bilden. Immer wieder höre ich dann von verzweifelten Klienten „Ich bin nicht gut genug. Ich habe Angst, gekündigt zu werden.“ In Maßen können solche Selbstzweifel positiv sein, denn sie sind eine wichtige Grundlage für die persönliche Weiterentwicklung und Optimierung. Die ständige Angst gekündigt zu werden allerdings, macht über kurz oder lang krank. Umso wichtiger ist es, der Angst die Nahrung zu entziehen.

Stellen Sie Ihre Angst und Unsicherheit auf den Prüfstand

Unsicherheit erlebe ich bei meinen Klienten – allesamt erfolgreiche C-Level, Geschäftsführer oder Vorstände – immer wieder. Vor einigen Jahren begrüßte mich eine Klientin sogar mal mit den Worten

Frau Happich, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin. Ihre Klienten sind doch alle so erfolgreich.

Sich selbst empfand sie offenbar nicht als erfolgreich – und das, obwohl es für Außenstehende genau so wirken musste.

Stellen Sie sich daher zunächst mal die Frage: Sind Ihre Ängste und Unsicherheiten wirklich gerechtfertigt? Ein einfacher Perspektivwechsel kann bereits dabei helfen, Ängste vor der vermeintlich drohenden Entlassung zu mindern.

Eine andere Klientin, nennen wir sie Susanne T., war ebenfalls stark verunsichert. Vor allem ihr Vorgesetzter, der Group CFO, machte ihr zu schaffen. Er behandelte Susanne wie eine Anfängerin und machte sie vor versammelter Mannschaft klein. Ihr O-Ton: „Ich werde gefühlt immer kleiner, habe mittlerweile das Gefühl, dass ich nicht gut genug bin und sowieso nicht alles kann.“ Unter Tränen schob sie hinterher: „Die schmeißen mich sicher bald raus.“ Wenige Sekunden später wurde ich Zeugin einer erstaunlichen Verwandlung. Ihr Chef rief an und Susanne nahm ab. Und ganz plötzlich erlebte ich eine ruhige, souveräne, scheinbar mit allen Wassern gewaschene Top-Managerin in ihrem Element. Von Unsicherheiten und der Angst, entlassen zu werden, keine Spur!

So wie Susanne geht es vielen Leistungsträgern. Nach außen wirken sie souverän, im Inneren allerdings brodelt es. Mein Rat: Versuchen Sie doch einmal sich durch die Brille Ihrer Mitarbeiter, Kollegen und Vorgesetzten zu betrachten. Was Sie in vielen Fällen sehen dürften: Einen kompetenten Top-Manager, der seine Rolle hervorragend ausfüllt – und der sich mit Sicherheit keine Gedanken um eine drohende Entlassung machen muss!

Angst vor der Kündigung überwinden – in 4 Schritten

Ich weiß, die Erkenntnis trotz innerer Unsicherheit nach außen hin souverän und qualifiziert zu wirken, hilft Ihnen nur bedingt weiter. Ich bin auch keine Freundin davon, Selbstzweifel zu ignorieren und einfach vor sich hinnagen zu lassen. Denn irgendwann suchen sich Gefühle ihren Weg nach draußen – und das geht selten gut aus.

Sie tun daher gut daran, Ihre Angst vor der Entlassung auf ein erträgliches Maß zurückzuschrauben. Bewährt haben sich dabei die folgenden 4 Schritte:

1.) Akzeptieren Sie Ihre Angst

Es klingt paradox, stimmt aber wirklich. Angst wird größer, wenn man sie bekämpft. Der erste Schritt raus aus dem Sog der Angst, ist es daher diese zu akzeptieren. Sie haben Angst, gekündigt zu werden – und das ist auch okay. Tatsächlich hat Ihre Angst und die ständige Unsicherheit auch eine Funktion: Sie will Sie dazu antreiben noch besser zu werden, um damit das „Horrorszenario“ einer Entlassung gar nicht erst Realität werden zu lassen. Leider schießen unsere Ängste dabei häufig über das Ziel hinaus.

2.) Spielen Sie Ihre Kündigung gedanklich durch

Wahrscheinlich versuchen Sie den Gedanken daran, gefeuert zu werden, schnell wieder zu vertreiben. Das ist verständlich. Es hilft allerdings, dieses Worst Case Szenario zumindest einmal Schritt für Schritt gedanklich durchzuspielen. Am Ende stellen Sie sich dann die Frage: „Überlebe ich diesen Ausgang?“ Normalerweise können meine Klienten in dem Fall eindeutig mit „Ja“ antworten. Denn eine Kündigung bedeutet weder das Ende ihres Lebens noch ihrer Karriere. Diese Erkenntnis lässt viele erstmal durchatmen.    

3.) Gehen sie zum Angriff über

Mit Ihrer Angst können Sie prinzipiell auf drei verschiedene Arten umgehen:

  1. Sie erstarren.
  2. Sie flüchten.
  3. Sie greifen an.

Erstarrung kommt nicht in Frage, denn dann werden Sie irgendwann handlungsunfähig. Flucht ist nur dann eine Lösung, wenn Sie in einem toxischen Umfeld arbeiten – und alle Möglichkeiten für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen bereits ausgeschöpft haben. In dem Fall kann es tatsächlich erwägenswert sein, der ständigen Angst vor der Entlassung mit einer proaktiven Kündigung zu begegnen.

In den meisten Fällen allerdings gilt: Angriff ist die beste Verteidigung! Damit meine ich nicht, dass Sie Ihre Angst ignorieren oder gar bekämpfen sollen. Sondern, dass sie aktiv nach Wegen suchen, Ihre Angst zu reduzieren. Das kann eine Jogging-Runde am Abend sein. Ein kurzes Telefonat mit dem Ehepartner in der Mittagspause. Oder ein optionales Meeting, das Sie einfach mal sausen lassen.

Mein Tipp: Notieren Sie sich über mehrere Wochen diese kleinen Dinge, die Ihnen dabei helfen, mit Ihrer Angst fertig zu werden. Am Ende haben Sie eine Notfallliste, auf die Sie in Phasen akuter Ängste zurückgreifen können.

4.) Sprechen Sie mit Vertrauten und Verbündeten

Haben Sie weiterhin ständig Angst vor der Kündigung, hilft es, mit Vertrauten zu reden. Das können Familienmitglieder oder Freunde sein. Aber auch Ihr Mentor oder Verbündete aus Ihrem Netzwerk. Möchten Sie sich diesen Personen gegenüber nicht öffnen oder haben Angst vor negativen Auswirkungen auf Ihr Privat- oder Berufsleben, können Sie sich selbstverständlich auch an einen erfahrenen Coach wenden. Ich kann Ihnen versprechen: Entscheiden wir uns für eine Zusammenarbeit, nehme ich Ihre Unsicherheiten ernst! Und unsere Gespräche bleiben selbstverständlich streng vertraulich.

Fallbeispiel: Anpassen ja, verbiegen nein

Gerade in Unternehmen, die auf klassische Hierarchien und eine traditionelle Unternehmenskultur setzen, haben es wahre Könner nicht leicht. Zumindest nicht, wenn sie selbst moderne Führung umsetzen wollen – und auf die typischen Machtspiele im Top-Management so gar keine Lust haben. Denn wer sich offen gegen die herrschenden Spielregeln stellt, läuft tatsächlich Gefahr, entlassen zu werden.

So erging es auch meinem Klienten Paul M., der permanent Angst hatte gefeuert zu werden, wenn er seine Überzeugungen allzu offen kommunizierte und nach ihnen handelte. Ständig fragte er sich: „Wie weit kann ich gehen, bis ich gefeuert werde?“ Diese nagenden Zweifel führten letztlich dazu, dass er sich immer mehr zurücknahm – und damit beruflich höchst unglücklich war. Kein gutes Vorgehen.

Zwar ist es richtig und wichtig, sich zu einem gewissen Grad anzupassen und das Spiel an der Spitze mitzuspielen. Aber nicht, wenn Sie sich dafür dauerhaft verbiegen müssen. Denn das geht eher früher als später auf Kosten Ihrer Gesundheit. Wenn Sie sich in Paul wiederfinden, kann ich Ihnen nur ans Herz legen: Geben Sie sich nicht selbst zugunsten Ihrer Karriere auf! Im Coaching haben Paul und ich übrigens eine andere Vorgehensweise gefunden, mit der er seine Werte und Vorstellungen nicht aufopfern musste und seine Angst vor der Entlassung verringern konnte. Dazu machte Paul sich selbst gegenüber ein Commitment:

Ich bleibe in erster Linie mir selbst treu. Ich bin zuerst einmal loyal mir selbst gegenüber.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

PS: Sie glauben, in Ihrem Job als C-Level nicht gut genug zu sein? Die Angst, gekündigt zu werden, ist Ihr ständiger Begleiter? Und so wollen und können Sie nicht mehr weitermachen? Dann kontaktieren Sie mich unter info@galileo-institut.de. Gemeinsam finden wir Ihren individuellen Weg aus der Angst-Spirale! 

Bild: Jadon B/peopleimages.com / stock.adobe.com

Schlagwörter: AngstAngst-SpiraleKündigungKündigungsangstUnsicherheit

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