Leistungsdruck auf der Arbeit? So widerstehen Sie dem Druck vom Vorstand

In der extrem herausfordernden Phase der Transformation zählt der Vorstand auf Sie. Und Sie wollen niemanden enttäuschen. Nicht Ihr Unternehmen, nicht Ihr Team – und am allerwenigsten sich selbst. Doch es gibt so viele Baustellen. Zu viele Details, die beachtet werden müssen. Der Druck kommt von allen Seiten – und er steigt. Sie haben das Gefühl, dass alles an Ihnen zerrt, und können sich kaum noch fokussieren. Kurz: Sie stecken im Hamsterrad aus Leistungsdruck und Selbstzweifeln fest. Jetzt ist es allerhöchste Zeit, zu handeln.
Anhand von Praxis-Tipps und realen Fallbeispielen meiner Klienten zeige ich Ihnen, wie Sie Stress und Leistungsdruck im Top-Management besser handeln können. Grundlage hierfür sind wie immer meine eigenen Erfahrungen als Top-Managerin und das Praxis-Wissen, das ich mir in über 30 Jahren Führungskräfte-Coaching aneignen konnte.
Inhaltsverzeichnis
- Stress und Leistungsdruck: Könner sind besonders gefährdet
- 5 Praxis-Tipps, wie Sie Druck auf der Arbeit besser handeln
2.1. Entkommen Sie dem Hamsterrad – und sei es nur kurz
2.2. Klären Sie, was der Vorstand wirklich erwartet
2.3. Spielen Sie das Worst Case Szenario durch
2.4. Bewahren Sie in extremen Drucksituationen einen kühlen Kopf
2.5. Suchen Sie Verbündete - Raus aus der Schockstarre
3.1. Fallbeispiel #1: Till B. – „Ich bin nur noch am Denken“
3.2. Fallbeispiel #2: Helge P. – „Das wird in einer Katastrophe enden“
Stress und Leistungsdruck: Könner sind besonders gefährdet
Im Top-Management müssen Sie schwierige Entscheidungen treffen – zeitnah und souverän. Denn nicht nur die Mitarbeiter Ihres Teams sind auf Ihre Führungskompetenz angewiesen, die Zukunft des Unternehmens hängt von ihr ab. Dass diese Situation Erfolgs- und Leistungsdruck erzeugt, ist normal – und Teil der Jobbeschreibung eines jeden C-Levels. Problematisch wird der Druck im Job erst, wenn Ihr Stresslevel so weit ansteigt, dass Sie regelrecht blockiert und nicht mehr handlungsfähig sind.
Aus Erfahrung weiß ich, dass letzteres leider ausgerechnet den Besten an der Spitze besonders schnell passiert. Das liegt einfach an der Persönlichkeit vieler Leistungsträger und wahren Könner. Denn sie sind ehrgeizig, zielorientiert und haben einen eisernen Willen. Und sie sind es gewohnt, einfach immer abzuliefern – auch unter schwierigsten Bedingungen. Genau diese Eigenschaft verleitet auch ihre Vorgesetzten dazu, noch mehr – und oft schlicht Unmögliches – zu verlangen.
Geraten die Könner dann doch irgendwann an ihre Grenzen, folgt schnell die Blockade. Neben dem äußeren Druck führt dabei vor allem die unerfüllte innere Erwartungshaltung zu Selbstzweifeln. Und ihre vermeintlichen Defizite versuchen Leistungsträger typischerweise mit noch mehr Leistung zu kompensieren. Ein Teufelskreis.
5 Praxis-Tipps, wie Sie Druck auf der Arbeit besser handeln
Erkennen Sie sich in der oberen Beschreibung wieder? Dann ist es höchste Zeit, zu handeln. Ich habe bei etlichen C-Leveln gesehen, wie die Spirale aus äußerem Druck, höchsten inneren Ansprüchen und noch mehr Leistung mit Kündigungen oder gar im Burnout endete. Die gute Nachricht: Es gibt sehr wirksame Wege, den Leistungsdruck zu reduzieren. In meiner 30-jährigen Zeit als Führungskräfte-Coach haben sich die folgenden Tipps bei meinen Klienten immer wieder bewährt.
1.) Entkommen Sie dem Hamsterrad – und sei es nur kurz
Vorgesetzte, Mitarbeiter, Kunden, Shareholder: Sie alle wollen etwas von Ihnen – und zerren Sie in unterschiedlichste Richtungen. Zugleich gibt es so viel zu tun, so viele Baustellen, dass Sie gar nicht mehr wissen, wo Ihnen der Kopf steht. Der Druck ist so groß, wie nie. Und Sie merken, wie Sie immer weiter über Ihre persönlichen Leistungsgrenzen hinausgehen. Jetzt müssen Sie sich unbedingt noch weiter pushen, um die Situation doch noch irgendwie zu wuppen, richtig?
Falsch. Wenn Sie sich derart überfordert fühlen, ist eine Auszeit oft der beste Weg, um die eigene Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Das erlebte auch eine Klientin, die in Folge des enormen Leistungsdrucks kurz vor dem Burnout und einer damit verbundenen Krankschreibung stand. Entgegen ihrer anfänglichen Überzeugung entschieden wir, dass es das Beste war, sich in dieser Situation eine echte (!) Auszeit von 4 Wochen zu nehmen. Und siehe da: Anders als sie befürchtet hatte, zeigten ihre Vorgesetzten und Kollegen dafür vollstes Verständnis.
2.) Klären Sie, was der Vorstand wirklich erwartet
In der Arbeit mit meinen Klienten erlebe ich es immer wieder: Der größte Leistungsdruck geht nicht etwa vom Vorstand, sondern von uns selbst aus. Tatsächlich glauben viele Top-Führungskräfte nur, dass sie genau wüssten, was ihre Vorgesetzten denken und von ihnen erwarten. Oder – auch das sehe ich sehr häufig – sie haben den Anspruch an sich, dass Sie die Erwartungen Ihrer Chefs doch einfach kennen MÜSSEN.
Aber wissen Sie was? NIEMAND kann Gedanken lesen. Wenn Sie sich vom Vorstand unter Druck gesetzt fühlen, trauen Sie sich ruhig zu fragen: „Was genau erwarten Sie eigentlich von mir?“ Und haken Sie so lange nach, bis sie wirklich verstanden haben, was Ihr Vorgesetzter von Ihnen möchte. Verblüffend häufig stellt sich am Ende heraus, dass die Erwartungen des Vorstands gar nicht so unerreichbar hoch sind, wie Sie es sich ausgemalt hatten.
3.) Spielen Sie das Worst Case Szenario durch
Wenn wir sehr starken Druck auf der Arbeit verspüren, schwirren uns viele Angstgedanken durch den Kopf. „Was wenn ich bei der anstehenden Präsentation vor dem wichtigsten Kunden in der Unternehmensgeschichte einen Blackout habe?“ „Was, wenn ich meinen Chef und mein gesamtes Team enttäusche?“ „Was wenn ich gefeuert werde?“ Ja, diese Gedanken sind beängstigend. Und ja, die möglichen Folgen sind nicht schön. Das eigentliche Problem allerdings ist: Die meisten dieser Gedanken, die uns so in Angst und Schrecken versetzen, denken wir gar nicht zu Ende. Das aber sollten Sie unbedingt tun. Denn bei Lichte betrachtet ist das „Worst Case Szenario“ oft gar nicht so katastrophal, wie es zunächst den Anschein hatte.
Mein Rat an Sie: Spielen Sie das Worst Case Szenario doch mal Schritt für Schritt durch. Schritt für Schritt, ganz langsam einen nach dem anderen – und bitte bleiben Sie nicht nur im Kopf, sondern beziehen Sie auch Ihre Gefühle mit ein. Nehmen Sie zum Beispiel eine Kündigung. Und überlegen Sie sich, wie es danach weitergeht. Denn weiter geht es irgendwie immer – egal, was passiert. Schon dieses Wissen gibt Ihnen ein Stück weit emotionale Sicherheit, die Sie deutlich gelassener werden lässt.
4.) Bewahren Sie in extremen Drucksituationen einen kühlen Kopf
Im C-Level werden Sie – zumindest über einen begrenzten Zeitraum hinweg – immer mal wieder sehr starken Drucksituationen ausgesetzt sein. Das ist Teil des Jobs. Das Wichtigste in dem Fall: Machen Sie sich klar, dass Sie einige Situationen (zumindest kurzfristig) nicht ändern können. Der Schlüssel, um mit dem extrem hohen Leistungsdruck in Fällen wie diesen klarzukommen: Akzeptanz.
Konkret hat sich im Umgang mit Extremsituationen die 4-A-Strategie bewährt:
- Annahme: Drücken Sie die Situation nicht weg und verfallen Sie nicht in Schuldzuweisungen oder Selbstvorwürfe. Akzeptieren Sie die Situation stattdessen einfach so, wie sie ist.
- Abkühlung: Atmen Sie durch, machen Sie eine Achtsamkeitsübung oder nutzen Sie eine andere Stressbewältigungsstrategie, die Ihnen in Situationen mit extremem Druck schnell hilft, abzukühlen.
- Analyse: Sobald Sie einen einigermaßen klaren Kopf bekommen haben, schauen Sie sich die Situation genau an. Können Sie etwas ändern? Ja? Dann werden Sie aktiv. Nein? Dann lenken Sie sich ab!
- Aktion oder Ablenkung: Kommen Sie zu dem Schluss, dass Ihnen Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, dann handeln Sie sofort. Etwa, indem Sie Grenzen setzen. Können Sie nichts tun, dann lenken Sie sich ab, um Abstand zur Drucksituation zu bekommen. Musik hören, mit Freunden telefonieren, Shoppen gehen – was auch immer Ihren Fokus auf Angenehmes lenkt, funktioniert.
5.) Suchen Sie Verbündete
Gerade, wenn Sie über einen längeren Zeitraum mit großem Leistungsdruck umgehen müssen, sind Vertraute und Unterstützer enorm wertvoll. Ich kann Ihnen daher nur ans Herz legen, sich Verbündete zu suchen. Idealerweise sind das Menschen, die den Druck, den Sie an der Spitze spüren, nachvollziehen können. Das können Kollegen sein oder ein interner Mentor. Aber auch ein externer Sparringspartner mit eigener Top-Management-Erfahrung.
Ich selbst etwa kenne Drucksituationen wie Ihre noch aus meiner eigenen Zeit im Top-Management, als ich als Mitglied der Geschäftsleitung für rund 1.000 Mitarbeiter im DACH-Raum zuständig war. Trotzdem beruhen die Inhalte der Sparringspartnerschaften, die Sie bei mir in Anspruch nehmen können, nicht nur auf eigenen Erfahrungen. Sondern auch auf dem Praxiswissen von mittlerweile über 1.000 Vorständen, Geschäftsführern und Führungskräften, die ich in meiner 30-jährigen Laufbahn als Führungskräfte-Coach und Sparringspartner begleiten durfte.
Raus aus der Schockstarre
Wissen Sie, warum Bananen, die meist von fernen Ländern zu uns kommen, im Supermarkt eine frische gelbe Farbe haben? Weil sie ein bestimmtes Hormon zum Reifen brauchen und noch grün geerntet werden. Erst in Deutschland wird das Hormon in speziellen Reifekammern zugesetzt – und prompt werden die Bananen gelb. Ein ganz bestimmter Trigger (Hormon – Ethylen) führt also dazu, dass ein Automatismus (Reifeprozess) abläuft.
Warum erzähle ich Ihnen das? Weil extremer Druck auf viele Menschen ganz ähnlich wirkt. Auch er ist ein Trigger (Alarmauslöser), auf den ein bestimmter Reflex (automatisierter Prozess) folgt. In den Fällen der beiden Klienten, die ich Ihnen im Folgenden vorstelle, lautet das Resultat dieses Reflexes: Schockstarre!
Übrigens: Das Bananen-Beispiel – und das für Führungskräfte sehr interessante – Trigger-Stopp-Prinzip, das ich daraus ableite – stammt aus meinem neuen Buch „Nature, Inc. – das erfolgreichste Unternehmen der Welt“. Hier beschreibe ich über ein Dutzend weiterer Beispiele aus der Natur, die Top-Manager für sich adaptieren können, um (fast) alle typischen Führungsherausforderungen und -probleme zu meistern.
Fallbeispiel #1: Till B. – „Ich bin nur noch am Denken“
Dass auf bestimmte Alarmauslöser sehr schnell eine negative Reaktion erfolgen kann, musste mein Klient Till B. erleben. Als in seinem Unternehmen zwei Bereiche zusammengelegt werden sollten, war man sich schnell einig: Wenn einer jetzt die Verantwortung übernehmen kann, dann Till. Denn der schafft bekanntlich alles. Doch es kam anders. Schon nach kurzer Zeit merkte Till: Er ist blockiert. Die sonst vor Ideen sprudelnde Führungskraft bekam nichts mehr auf die Reihe – und stand kurz davor, aufzugeben. Mir gegenüber offenbarte er: „Ich bin total blockiert von der gefühlten Verantwortung und dem Anspruch an mich, dass ich die Aufgabe wuppen müsse. In der Folge mutiere ich gerade zu einem komplett anderen Menschen. Ich bin nur noch am Denken und bekomme nichts mehr auf die Bahn. Der Chef macht Druck und ich fühle mich überfordert.“
Im Coaching erarbeiteten wir eine Strategie, wie Till das Krampfhafte wieder aus seinem Arbeitsalltag verbannen konnte. Eine Schlüsselerkenntnis, die ihm schließlich dabei half: Der Druck, der ihn lähmte, wurde nicht allein von seinem Vorgesetzten ausgeübt. In viel größerem Maß war es sein eigener Erwartungsdruck.
Fallbeispiel #2: Helge P. – „Das wird in einer Katastrophe enden“
Davon, dass der Trigger „Leistungsdruck“ schnell den Reflex „Schockstarre“ auslöst, kann auch mein Klient Helge P. – seit mehreren Jahren erfolgreiche Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen – ein Lied singen. Ebenso wie Till wird auch Helge von der Unternehmensspitze sehr geschätzt. Daher bekommt er die Leitung für ein sehr anspruchsvolles Projekt übertragen. Denn sein Chef ist der Überzeugung, dass nur er diese Herausforderung bewältigen kann.
Es kommt, wie es kommen musste. In Helges Kopf nimmt das Gedankenkarussell Fahrt auf. Der von seinem Chef gesprochene Satz „Du bist der Einzige, der es schaffen kann“ wird für ihn zum Trigger, der erheblichen Leistungsdruck auslöst. Wie soll er das so wichtige Projekt nur angehen? Was wenn er versagt – und damit nicht nur seinen Chef enttäuscht, sondern auch der gesamten Firma schadet? Und prompt folgt die Schockstarre. Das sagte Helge mir gegenüber wortwörtlich: „Ich fühle mich wie in einer Schockstarre.“ Und weiter: „Ich wollte loslegen, so wie bei anderen Projekten auch, aber ich konnte einfach nicht mehr. Nichts ging mehr.“ Der zunehmende innere und äußere Druck setzte ihm in der Folge immer mehr zu: „Frau Happich, ich kann das nicht. Ich weiß keinen Ausweg mehr. Ich bin ein Versager! Ich bin mir sicher, dass das Ganze in einer Katastrophe enden wird.“
Im Führungskräfte-Coaching arbeiteten wir gemeinsam daran, diesen Regelkreis aus Trigger („Du bist der Einzige…“), Reflex (Leistungsdruck und Überforderung) und Resultat (Schockstarre) zu durchbrechen. Am Ende konnte Helge das Projekt erfolgreich abschließen.
Herzliche Grüße
Gudrun Happich
PS: Auch Sie verspüren extremen Druck bei der Arbeit? Fühlen sich blockiert und wie in „Schockstarre“? Dann kontaktieren Sie mich unter info@galileo-institut.de. Gemeinsam machen wir Sie wieder handlungsfähig!
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