Plötzlich Geschäftsführer oder Top-Führungskraft: So wachsen Sie in Ihre Rolle

Transformation
plötzlich Führungskraft

Sei es als Gründer, Familiennachfolger oder schlicht, weil Sie unverhofft „hochgespült“ worden sind: Wenn Sie plötzlich Top-Führungskraft geworden sind, finden Sie sich in einer fremden Welt wieder. Da werden Machtspiele ausgefochten. Auf intransparente Regeln gepocht. Durch die Blume kommuniziert.

Ich sage Ihnen, wie es ist: Um sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden, brauchen Sie einen Insider als Guide. Etwa einen internen Mentor. Oder einen langjährigen Führungskräfte-Coach mit Top-Management-Erfahrung. Am besten sogar beides. In diesem Beitrag beleuchte ich, warum es so wichtig ist, sich über die eigene Motivation klarzuwerden. Und, wie Sie sich in Ihrer neuen Rolle als Top-Führungskraft zurechtfinden – auf Basis meiner eigenen Zeit im Top-Management und meiner rund 30 Jahre langen Erfahrung im Führungskräfte-Coaching.

Inhaltsverzeichnis

  1. Plötzlich Geschäftsführer: unverhoffte Wege an die Spitze
  2. Unverhofft im Top-Management: Wollen Sie das?
    2.1. Fallbeispiel: Wo liegen Ihre wahren Stärken und Wünsche?
  3. Plötzlich sind Sie Führungskraft: Das sind Ihre ersten Schritte

Plötzlich Geschäftsführer: unverhoffte Wege an die Spitze

In der Regel führt der Weg ins Top-Management von der Fachkraft über das mittlere Management. Immer mal wieder begegnen mir aber auch andere Konstellationen, in denen sich Menschen ganz plötzlich in einer Führungsrolle wiederfinden. Dabei gibt es drei typische Wege, wie Sie – mehr oder weniger aus dem Nichts – im Top-Management landen können:

  1. Sie gründen oder übernehmen ein Unternehmen.
  2. Sie sind der Familiennachfolger – und bekommen von Vater oder Mutter das Zepter überreicht.
  3. Sie wurden unverhofft „hochgespült“ – beispielsweise, weil Sie ein Freund oder Vertrauter des Chefs sind.

Unverhofft im Top-Management: Wollen Sie das?

Ganz egal, wie Sie im Top-Management gelandet sind. Sie sollten sich gründlich überlegen, ob Sie dort bleiben wollen. Wollen Sie wirklich die – mitunter bleischwere – Verantwortung für dutzende, hunderte oder gar tausende Mitarbeiter übernehmen? Können Sie mit den Machtspielen an der Spitze umgehen, die gerade in größeren Unternehmen gang und gäbe sind? Sind Sie bereit zu lernen, wie Sie sich souverän auf politischem Parkett bewegen? Lässt es Ihre familiäre Situation zu, auch mal am Wochenende zu arbeiten oder, wenn es brennt, länger im Büro zu bleiben?

Mein Rat an Sie: Bleiben Sie nicht aus Loyalität oder Pflichtbewusstsein dem (Familien-)Unternehmen bzw. Ihrem Chef (oder Vater/Mutter) gegenüber. In dem Fall werden Sie die resultierenden inneren Konflikte eher früher als später in die innere Kündigung treiben – oder in den Burnout.

Fallbeispiel: Wo liegen Ihre wahren Stärken und Wünsche?

Plötzlich Chef wurden auch zwei Programmierer, die es über ein Management-Buy-out an die Spitze ihres eigenen Unternehmens schafften. Die beiden zogen einen weiteren Geldgeber (einen echten Branchenkenner) hinzu, der die Rolle des Geschäftsführers übernahm. Er investierte über eine Million und verfügte damit über die Mehrheitsanteile im Unternehmen.

Die Probleme allerdings ließen nicht lange auf sich warten. Als die erste Gewinnausschüttung bevorstand, brach ein Streit zwischen den drei Chefs los. Die Fronten verhärteten sich immer mehr und das Unternehmen drohte auseinanderzubrechen.

Als Coach sollte ich die Situation retten. Mein Ansatz: Ich lud alle drei Chefs dazu ein, ihre Motivation zu hinterfragen. WARUM wollten sie eigentlich Chef sein? Oder, daran anschließend: WOLLTEN sie überhaupt Chef sein? Nach einer Reflektion fanden alle drei unterschiedliche Antworten für sich:

Das Fallbeispiel illustriert, wie wichtig es ist, sich über die eigene Motivation klar zu werden.

Plötzlich sind Sie Führungskraft: Das sind Ihre ersten Schritte

Auch, wenn Ihr Aufstieg an die Spitze blitzschnell ging und für Sie selbst womöglich sogar überraschend kam: Sie sind sich sicher, dass Sie hier im Top-Management erfolgreich werden, sein und bleiben wollen! Dann gilt es, sich ab sofort in die neue Rolle einzufinden. Das wird kein leichter Weg, aber er ist machbar – insbesondere mit einem erfahrenen Sparringspartner oder Führungskräfte-Coach an Ihrer Seite. Nach meiner eigenen Zeit im Top-Management und nach über 30 Jahren Erfahrung im Führungskräfte-Coaching kann ich Ihnen sagen: Das folgende Vorgehen hat sich insbesondere für (Top-)Führungskräfte ohne Erfahrung bewährt:

  1. Bereiten Sie sich vor. Und zwar gründlich. Machen Sie sich klar: Der Übergang zur Top-Führungskraft gleicht einer waschechten Metamorphose. Um gut in Ihre neue Rolle zu finden, müssen Sie sich über verschiedene Dinge klar werden. Was ist Ihre neue Aufgabe? Welche Strukturen und Abläufe erwarten Sie? Welche Prozesse müssen erst noch etabliert werden? Gibt es Entscheider (oder Neider) im Unternehmen, die Ihnen Ihren kometenhaften Aufstieg verübeln?
  2. Kommunizieren Sie Ihre neue Rolle. Gut möglich, dass Sie als interner Aufsteiger oder als Familiennachfolger schon jahrelang als Fachkraft im Unternehmen tätig waren. Jetzt allerdings sind Sie kein Kollege mehr, sondern Chef. Und das sollten Sie auch klar kommunizieren. Sonst kommt es schnell dazu, dass Sie bei wichtigen Entscheidungen übergangen werden. Letzteres passiert gerade Neuen, die im Team niemand auf dem Schirm hatte, häufig. Halten Sie nicht gegen, wenden sich Ihre Mitarbeiter dann lieber an Ihren Vorgänger und es entwickeln sich im Laufe der Zeit kontraproduktive Parallelstrukturen.
  3. Finden Sie Ihren eigenen Führungsstil. Sie müssen sich nicht verbiegen, nur weil Sie glauben, dass eine Top-Führungskraft ein bestimmtes Auftreten haben sollte. Auch dann nicht, wenn Ihnen Ihr Vorgänger oder Ihr Förderer – gerade in Familienunternehmen ist das häufig ein Elternteil – ein autoritäres Gebaren nahelegt. Solange Ihr Team Sie respektiert, können und dürfen Sie sich für moderne Führung entscheiden, einen lockeren, kollegialen Umgang pflegen und Ihre Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse einbinden.
  4. Holen Sie sich Unterstützung. Gerade, wenn Sie plötzlich Führungskraft geworden sind, benötigen Sie dringend Unterstützung, um sich in der Welt des Top-Managements zurechtzufinden. Sie sollten sich daher so früh wie möglich Hilfe suchen. Sei es, indem Sie einen internen Mentor finden (Ihr Vorgänger eignet sich hierzu sehr gut). Oder indem Sie sich einen externen Führungskräfte-Coach mit Stallgeruch an die Seite holen.

Übrigens: Auch mein Buch „C-Level: Im Top-Management erfolgreich werden, sein und bleiben“ kann Ihnen als Orientierung dienen, um sich im Haifischbecken Top-Management zurechtzufinden.

Sie hören lieber?

Hier geht es zu den passenden Folgen in meinem Podcast „Leben an der Spitze“:

Plötzlich Chef! So packen Sie es an | NEU ALS CHEF #167

Plötzlich Chef – diese Tipps sollten Sie als neue Führungskraft beherzigen | NEU ALS CHEF #201

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

PS: Sie sind plötzlich Führungskraft, womöglich sogar Geschäftsführer, geworden – und wissen jetzt nicht, wo Ihnen der Kopf steht? Dann kontaktieren Sie mich unter info@galileo-institut.de. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass aus Ihrem Start kein Fehlstart wird!

Bild: Anela Ramba/peopleimages.com / stock.adobe.com

Schlagwörter: neu als ChefNeu als Führungskraftneu als Geschäftsführer

Weitere Artikel

Co-Leadership

Co-Leadership: Als Führungstandem zu besseren Ergebnissen? #335

Doppelspitze, Co-Leadership, Topsharing – die Begriffe kursieren überall. Doch was steckt wirklich dahinter, und wann lohnt sich das Modell für Top-Führungskräfte?

weiterlesen
Schlechte Nachrichten überbringen

Schlechte Nachrichten überbringen: So bewahren Sie Ihr Standing #334

Krisenkommunikation gehört zum Alltag im C-Level – ob verfehlte Ziele, personelle Einschnitte oder Millionenverluste. Entscheidend ist nicht, ob Sie schlechte Nachrichten überbringen müssen, sondern wie.

weiterlesen