Gekündigt: Was nun? Wie sich Führungskräfte nach einer Kündigung richtig verhalten

Transformation
Als Führungskraft entlassen

Es ist Freitagnachmittag. Ohne Ankündigung und für Sie völlig unerwartet werden Sie ins Büro Ihres Vorgesetzten gerufen. Ein ungutes Gefühl breitet sich in Ihnen aus. Ihr Magen beginnt zu rebellieren. Sie betreten das Büro, suchen die Augen Ihres Vorgesetzten – und noch bevor ein Wort gefallen ist, wissen Sie genau was los ist. Sie werden entlassen. Ein Schock! Verständlich, dass Ihre Gefühle Achterbahn fahren. Und doch ist es wichtig, gerade jetzt Ruhe zu bewahren – auch, um sich Ihre späteren Chancen nicht zu verbauen!

In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie sich verhalten sollten, wenn Sie als Führungskraft entlassen worden sind. Im und unmittelbar nach dem Kündigungsgespräch und in den Tagen, Wochen und Monaten danach. Mein 7-Schritte-Plan ist die Essenz aus meiner 30-jährigen Erfahrung im Führungskräfte-Coaching und einem sehr intensiven Gespräch mit einer HR-Expertin, die mir Ihre Best-Practice-Tipps verraten hat. Die folgende Anleitung hat schon dutzenden Klienten geholfen, nach einer Kündigung zu einem souveränen Verhalten zu finden und schnell wieder auf Kurs zu kommen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Bleiben Sie ruhig
  2. Lassen Sie sich ein Angebot machen
  3. Schalten Sie Ihren Anwalt ein
  4. Fühlen Sie erst, analysieren Sie später
  5. Lernen Sie aus Ihren Fehlern
    5.1. Fallbeispiel Hubert D. – die Interessen des Vorgesetzten
    5.2. Fallbeispiel Dirk L. – die Spielregeln an der Spitze
  6. Lassen Sie los
  7. Arbeiten Sie an Ihrem Comeback

1.) Bleiben Sie ruhig

Ich weiß, es ist nicht leicht, im Kündigungsgespräch gelassen zu bleiben. Insbesondere dann, wenn Sie im Vorfeld nichts von Ihrer Kündigung geahnt haben. Trotzdem: Das Beste, das Sie jetzt tun können, ist Ihre Wut und Enttäuschung im Zaum zu halten. Bleiben Sie (zumindest äußerlich) so ruhig, wie nur irgendwie möglich. Und sagen Sie nichts, was Sie später sehr wahrscheinlich bereuen würden. Gelingt es Ihnen, Ihre Gefühle in den ersten kritischen Minuten zu zügeln, kann Ihre gesamte spätere Karriere davon profitieren. Denn Sie wissen ja: Man sieht sich immer (mindestens) zweimal im Leben. Lassen Sie Ihrem Zorn dagegen freien Lauf, hinterlassen Sie viel verbrannte Erde – und verbauen sich im Worst Case so manche (Karriere-)Option. 

2.) Lassen Sie sich ein Angebot machen

Wir bleiben im Kündigungsgespräch. Hier ist weder der richtige Ort noch die Zeit, nach Erklärungen zu suchen – oder solche von Ihrem Vorgesetzten zu verlangen. Was schiefgelaufen ist, können Sie auch später noch herausfinden. Jetzt geht es erstmal um Schadensbegrenzung – und darum, Nägel mit Köpfen zu machen. Soll heißen: Klären Sie, wie die Kündigung verlaufen soll. Wie sieht der zeitliche Rahmen aus? Wird es einen Aufhebungsvertrag geben? Wie hoch ist Ihre Abfindung? Spielen Sie den Ball zurück an Ihren Vorgesetzten – und lassen Sie sich unbedingt ein Angebot unterbreiten!

3.) Schalten Sie Ihren Anwalt ein

Nach dem Kündigungsgespräch empfiehlt es sich, einen Anwalt für Arbeitsrecht einzuschalten. Mit diesem können Sie die Kündigung auf Herz und Nieren prüfen. Inklusive des Angebots (z.B. Abfindung), das Ihnen unterbreitet worden ist. Gemeinsam können Sie beraten, wie viel Geld und welche Extras Sie verlangen sollten. Mein ebenso simpler wie einleuchtender Ratschlag, den ich gerne meinen Klienten mitgebe: Je tiefer Sie emotional verletzt worden sind, desto mehr Geld sollten Sie auch verlangen. Die weitere Kommunikation und Verhandlung überlassen Sie am besten Ihrem Anwalt.

4.) Fühlen Sie erst, analysieren Sie später

Die ersten Tage nach Ihrer Entlassung sind eine emotionale Achterbahnfahrt. Mal sind Sie fassungslos und fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Dann wieder tieftraurig. Nur um im nächsten Moment sauer zu werden und gedanklich wilde Flüche auf Ihren (Ex-)Arbeitgeber auszustoßen. All das ist nicht nur normal, sondern auch gesund! Um wieder neue Kraft und Energie schöpfen zu können, müssen Sie Ihre Emotionen jetzt erst einmal fühlen. Fressen Sie Ihre negativen Gefühle dagegen in sich hinein, werden Sie keinen schnellen Abschluss finden können. Und es wird sehr schwer, nach vorne zu blicken. An die Analyse geht es erst im nächsten Schritt.

5.) Lernen Sie aus Ihren Fehler

Sobald sich der emotionale Sturm gelegt hat, können Sie analysieren, was da eigentlich schiefgelaufen ist. Denn glauben Sie mir: Blitze kommen nie einfach aus heiterem Himmel. Alle Klienten, die nach einer Kündigung zu mir ins Führungskräfte-Coaching kommen, berichten irgendwann, dass es Anzeichen gab. Dunkle Wolken, die schon vor längerem am Horizont aufgezogen waren. Oder ein tiefes Donnergrollen, das sich eigentlich nicht überhören ließ.

Jetzt gilt es, die Gründe, die zu Ihrer Kündigung geführt haben, herauszufinden. Denn nur so können Sie aus Ihren Fehlern lernen – und Ihre Antennen schärfen, sodass Sie das aufziehende Gewitter rechtzeitig kommen sehen. Auf diese Weise bleibt Ihnen das nächste Mal ausreichend Zeit, um Schutz zu suchen.

Typische Situationen, die im C-Level darauf hinweisen, dass sich am Horizont etwas zusammenbraut:

Sie müssen kein Meteorologe sein, um zu erkennen, dass da etwas in der Luft liegt.

Abgesehen davon, dass Sie ein besseres Gespür für das Klima bekommen sollten, müssen Sie natürlich auch Ihre inhaltlichen Fehler aufarbeiten, um diese nicht zu wiederholen. Wie das aussehen kann, zeige ich Ihnen anhand zweier Fallbeispiele aus meiner Coaching-Praxis.

Fallbeispiel Hubert D. – die Interessen des Vorgesetzten

Eigentlich machte Hubert D. einen super Job. Er war gerufen wurden, um ein Projekt neu aufzusetzen und erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Und er lieferte. In nur drei Monaten konnte er alle Erwartungen erfüllen. Und dann der Paukenschlag: Ganz plötzlich lag die Kündigung auf seinem Schreibtisch.

Hilfesuchend fand er zu mir ins Coaching und wir arbeiteten heraus, was passiert war. Es zeigte sich: Hubert hatte zwar ganz im Sinne seines Unternehmens gehandelt – aber nicht im Interesse seines Vorgesetzten. Letzterer hatte es in den letzten drei Jahren nicht hinbekommen, das Projekt zu Ende zu führen. Und fühlte sich durch Hubert nun bloßgestellt und gedemütigt. Um seine eigene Schmach so gering wie möglich zu halten, sprach er schließlich die Kündigung an Hubert D. aus.

Für Hubert war diese Erkenntnis ein Augenöffner. Künftig wird er nicht nur im Sinne seines Unternehmens handeln, sondern auch die Interessen seiner Vorgesetzten im Auge behalten. 

Fallbeispiel Dirk L. – die Spielregeln an der Spitze

In jedem Unternehmen gibt es eigene Spielregeln, die Im Top-Management eingehalten werden müssen. Leider werden diese nur selten offen kommuniziert und können daher schnell zur Stolperfalle werden, die im schlimmsten Fall eine Entlassung nach sich ziehen kann. Das musste auch Dirk L. erfahren.

Der promovierte Chemiker wurde in einem DAX-Unternehmen zum Ressortleiter ernannt und ist damit schlagartig für 10.000 Mitarbeiter verantwortlich. Seine neue Position bringt mit sich, dass er direkt an den Vorstandsvorsitzenden berichtet und auch mit den übrigen Vorständen in Kontakt kommt.

Alles wirkt gut. Doch plötzlich meidet ihn ein Vorstand, wo es nur geht. Und Dirks Kollegen scheinen ihm irgendetwas sagen zu wollen – ohne sich so klar auszudrücken, dass Dirk versteht, um was es geht. Dann plötzlich wird ihm ein Coaching nahelegt. Auf die Rückfrage, über welche Themen er dort denn sprechen solle, wird ihm geraten, den „Umgang mit höheren Hierarchien“ zu trainieren.

Im Coaching wird schließlich klar: Auch Dirk hat inhaltlich einen guten Job gemacht. Für Unmut im Vorstand sorgte allerdings seine lockere Art, die so gar nicht zu den Umgangsformen an der Spitze passen wollte. Mit einem lässigen „Moin, moin!“ stieß er einen der Vorstände regelrecht vor den Kopf. Ein harmloser Fehler, der ihn fast den Kopf gekostet hätte. Zu allem Überfluss war der Naturwissenschaftler auch für die feinen Hinweise seiner Kollegen nicht empfänglich, die – typisch Top-Management – ihn nur durch die Blume auf sein Fehlverhalten aufmerksam machten.

Dirks Fazit: „Inzwischen kann ich darüber lachen, aber damals wurde mir gleichzeitig heiß und kalt, als ich erfuhr, was ich alles falsch gemacht hatte. Ich bin wohl nur knapp an der Kündigung vorbeigeschrammt.

6.) Lassen Sie los

Wenn Sie durch Ihre Entlassung emotional tief verletzt worden sind, steht Ihnen der Sinn womöglich nach Rache. Gerade, wenn Sie sich durch den plötzlichen Status- und Machtverlust „unendlich klein“ fühlen, wie es ein Klient einmal ausdrückte. Womöglich liebäugeln Sie daher damit, ein Gerichtsverfahren gegen Ihr Unternehmen anzustrengen. Mein Rat: Lassen Sie es. Zumindest, wenn Sie Ihre Karriere in absehbarer Zeit fortsetzen möchten. Denn Prozesse ziehen sich wie Gummi. Und sie hinterlassen viel böses Blut. Gut möglich, dass auch Sie mit Anschuldigungen konfrontiert werden, die – selbst, wenn Sie aus der Luft gegriffen sind – kleben bleiben. Besser ist es daher, sich außergerichtlich zu einigen.

Bis zu Ihrem endgültigen Ausscheiden aus dem Unternehmen sollten Sie Ihren Job bestmöglich erledigen. Mit demselben Engagement wie bisher. Hinterlassen Sie kein Chaos, sondern organisieren Sie eine geordnete Übergabe für Ihren Nachfolger. Später werden Sie sich für dieses Verhalten danken. 

7.) Arbeiten Sie an Ihrem Comeback

Sobald Sie aus dem Unternehmen ausgeschieden sind, können Sie Ihre Energie darauf verwenden, an Ihrem Comeback zu arbeiten. Diese Phase der Restrukturierung und Neuorientierung kann und darf Zeit kosten. Gewinnen Sie Klarheit über Ihre Wünsche und Ihre weiteren Karriereziele, gerne gemeinsam mit Ihrem Coach. Aktivieren Sie Ihr Netzwerk, sondieren Sie den verdeckten Stellenmarkt – und knüpfen Sie wertvolle neue Kontakte, die Ihnen als Türöffner dienen könnten. Auch ein (Inverse-)Headhunter für Führungskräfte kann jetzt der richtige Ansprechpartner sein.  

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

PS: Ihnen wurde gekündigt und noch immer schäumen die Emotionen so über, dass Sie kaum einen klaren Gedanken fassen, geschweige denn die richtigen Konsequenzen aus Ihrer Entlassung ziehen können? Dann kontaktieren Sie mich unter info@galileo-institut.de. Gemeinsam analysieren wir Ihre individuelle Situation – und bringen Sie schnell wieder auf Kurs!

Bild: C_Production / stock.adobe.com

Schlagwörter: EntlassungGekündigtKündigungKündigung Führungskraft

Weitere Artikel

Business Coaching Köln

Business Coaching in Köln und Umgebung #333

Business Coaching funktioniert heute problemlos digital und doch entscheiden sich viele Top-Führungskräfte bewusst für persönliche Gespräche vor Ort. Warum ein Coaching im direkten Austausch oft eine besondere Intensität entfaltet und weshalb Führungskräfte dafür aus dem gesamten deutschsprachigen Raum nach Köln kommen.

weiterlesen
So meistern Sie das Vorstellungsgespräch zum Geschäftsführer

Best Practice: So meistern Sie das Vorstellungsgespräch zum Geschäftsführer #332

Der CEO-Posten gilt für viele Top-Manager als Krönung ihrer Karriere. Doch der entscheidende Moment auf dem Weg dorthin ist oft das Vorstellungsgespräch. Wer hier überzeugen will, braucht mehr als einen guten Lebenslauf – gefragt sind Klarheit über die eigene Motivation, strategisches Denken und eine starke persönliche Haltung.

weiterlesen